Anwendungsbeobachtung im Grönemeyer-Institut

"Ergebnisse der Galvanotherapie (ECT) bei lokal begrenzten Tumoren im Grönemeyer-Institut
für MikroTherapie"
Sahinbas* H., J. Baier, Grönemeyer D.H.W. University of Witten/Herdecke,
Institute for Radiology and MicroTherapie, Bochum, Germany
Einleitung: Nach der Einführung der Gleichstromtherapie Ende der `70er Jahre durch Nordenström
und breitem klinischen Einsatz in China seit Anfang der `80er hat diese Therapieform in Europa,
außer gelegentlichem Einsatz, keine breite Akzeptanz und klinischen Einsatz gefunden.
Mit ECT können nicht nur maligne Tumore, die nicht (mehr) operabel sind und auf Radio- oder
Chemotherapie nicht mehr ansprechen, behandelt werden, sondern auch benigne Tumore.
Besonders hervorzuheben ist hierbei die überraschende Effektivität bei der Behandlung von
kavernösem Hämangiom(Xin Yu Ling). Klinische Daten aus China zeigen, daß die Erfolgsrate
(91%) bei Behandlung von malignen Tumoren in Stadium I und II erheblich höher ist, als bei
Tumoren in Stadium III und IV von 64%.
Die zwischen den Elektroden beim galvanischen Strom entstehende Spannung führt zu einer fast
selektiven Destruktion von Tumorgewebe. Sie stellt eine neue Möglichkeit dar, auf schonende
Weise Tumorgewebe zu zerstören. Der Gleichstrom, der zwischen zwei oder mehreren Elektroden
fließt, führt zu einer Gewebezerstörung mittels Elektrolyse. Durch die Ionenwanderung kommt es
zu einer erheblichen pH-Verschiebung im Gewebe: Es entsteht an der Anode eine Acidose, an der
Kathode Alkalose. Die erreichten pH-Werte liegen weit außerhalb des physiologischen Bereiches
und sind somit gewebeschädigend. Der Gleichstrom führt auch zu einer Änderung der
Membranpotentiale durch Veränderung des Elektrolytmilieus rund um die Zelle und in der Zelle.
Hierdurch werden wichtige physiologische Funktionen, wie z.B. die Natrium-Kalium-Pumpe
gestört. Dadurch wird Tumorgewebe „devitalisiert“. Eine Abstoßung der elektrisch induzierten
Nekrose findet erst nach Wochen statt. Die Substanzverluste entsprechen größenmäßig der
ursprünglichen Ausbreitung des Tumorgewebes.
Zielstellung: Das primäre Ziel dieser Anwendung bestand in der Darstellung der
Therapieverträglichkeit der ECT für Patienten mit lokal begrenzten Tumoren bzw. Rezidive nach
konventionelle Therapie, wobei ein Hauptziel darin bestand zu zeigen, dass sich die mediane lokale
Tumorkontrolle dabei verlängert wird.
Patienten und Methoden: Unsere retrospektive Datenauswertung erfolgte zwischen 2004und 2005
bei Patienten mit inoperablen Tumoren, Progress nach Radiatio- und/oder Chemotherapie, oder
ausdrücklichem Patientenwunsch.
In die Auswertung unserer Daten waren 15 Patienten eingeschlossen:
Anzahl der Patienten: 15
(10 Pat. invasiv // 5 Pat. mit Flächenelektroden)
Anzahl der Therapien: Gesamt 44
27 invasive Therapiesitzungen mit Tumexnadeln
17 Therapiesitzungen mit Flächenelektroden
10 Pat. invasiv:
4 Patienten mit Prostata Ca.
1 Patient mit Rectum karzinom, präsacrales Rezidiv
1 Patientin mit aggressiver Fibromatose, re. Leiste
1 Patient mit jejunales carzinoid, mit Lebermetastasen
2
1 Patientin mit Nierenzellkarzinom, Metastase li. Wange
1 Patient mit Urethelcarcinom, mit intraabdomineller
Metastasierung im re. Unterbauch
1 Patient mit malignem Melanom im li. Oberschenkel
5 Pat. mit Flächenelektroden:
• 1 Patient mit Lipomem, re. Unterbauch + li. Ellenbogen
2 Patienten mit Hämangiomen:
o Gesicht und orbital
o Subcutan Bauchdecke
2 Patientinen mit Mamma Ca.
o Lokalrediziv
o Hautmetastase
Alle Patienten waren umfangreich vorbehandelt worden. Die ECT wurde 2-4 pro Tumor jeweils für
1-3 Std. als Mono- oder kombinierte Therapie (Chemotherapie, Strahlentherapie) unter
Bildgebenden Verfahren und lokalanästhesie angewendet.
Wichtig ist die Elektroden exakt unter Sicht zu platzieren. Verteilung und Distanz zwischen den
Elektroden sollten rational gewählt werden. Die Elektrizitätsmenge sollte im Allgemeinen bei
80-100 Coulomb bei soliden Tumoren und 30-40 Coulomb bei Hämangiomen sein.
Ergebnisse:
1. CR: Malignes Melanom
2. CR: Lebermetastase
3. 2 CR: Lipom supcutan re. Unterbauch + li. Ellenbogen
4. 2 Tumornekrosen beim Mammakarzinom (~PR)
5. PR beim subcutanen Mammakarzinom-Metastase
6. 4 Tumornekrosen beim Prostatakarzinom mit PSA Senkung (~PR)
7. PR-SD beim Hämangiom an der Lippe und Orbita
8. 3 Therapieabrüche: Hämangiom, präsacrale Metastase, Metastase an der li. Wange (ramus
mandibulare li.)
4 CR + 7 PR + 1 SD = ANSPRECHRATE: 80%
20 % Abbruch
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
: ECT ist in Kombination oder als Monotherapie eine
geeignete zusätzliche Behandlungsmöglichkeit bei lokal begrenzten Tumoren oder Metastasen.
In einigen Fällen konnte eine komplette / partielle Remission und/oder eine signifikante
Verzögerung des Tumorwachstums gezeigt werden. Die angewendete ECT-Behandlung wurde von
den Patienten gut toleriert.
Kontak: sahinbas@microtherapy.de